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Der Fliegende Holländer stach in See ….

Am frühen Morgen lag das Meer ruhig vor der niederländischen Küste. Kein Windhauch bewegte die Segel, und selbst die Möwen schienen auf den ersten Ton zu warten. Da tauchte am Horizont ein ungewöhnliches Schiff auf. Es trug den Namen eines alten Seefahrermythos und kam doch mit einer ganz anderen Fracht: Noten, Noten und nochmals Noten. Der „Fliegende Holländer“ kam aus einer Weltreise zurück. Gemeint ist in dieser Geschichte nicht die sagenumwobene Gestalt, die seit Jahrhunderten über die Weltmeere treiben soll. Der Fliegende Holländer ist der niederländische Musikverlag Molenaar. Statt Gold, Gewürzen oder exotischen Waren hatte das Schiff neue musikalische Werke geladen. Sein Ziel war es, diese Sammlung in die Hände von Dirigenten und aktiven und Musikern zu bringen (gemeint sind natürlich auch -innen).

Wo war er gewesen, welche Route hatte er genommen? Wir haben nachgeforscht und den genauen Weg rekonstruiert. Die erste Station war:

Belgien

Hier entdeckte er zwei Komposition von Jean-Pierre Heack: „Appaloosa“ ist in erster Linie der Name einer Pferderasse. In diesem Werk dient er jedoch als Titel für die Geschichte über die beeindruckenden Reisen, die diese Tiere durch die wunderschönen Landschaften des Nordwestens der Vereinigten Staaten unternehmen – jenes Gebiet, aus dem sie ursprünglich stammen. Entlang der Ufer des Palouse River begegnen wir außerdem einem gleichnamigen Indianerstamm… (Mittelstufe, 4’30)

Terra Nostra“ lädt dazu ein, die Schönheit und zugleich die Verletzlichkeit unseres Planeten neu zu betrachten. Mit einer kraftvollen musikalischen Erzählweise führt Haeck das Publikum auf eine Reise durch die vier grundlegenden Elemente, die seit der Antike als Bausteine allen Lebens gelten: Luft, Wasser, Feuer und Erde. Jedes Element wird durch eine eigene klangliche Identität dargestellt – voller Symbolik und Ausdruck. (Oberstufe, 12’30)

Dann segelte die Mannschaft weiter nach:

Frankreich

Dort fanden sie gleich drei aktuelle Komponisten: Lauren Weisbeck. Laurent Weisbecks Concertino 4.0 für Posaunen-Quartett-Solo und Höchststufenblasorchester stellt Posaunisten vor vielfältige technische Anforderungen. Das Werk verlangt präzise Dynamikwechsel, differenzierte Artikulationen sowie sicheres Spiel in extremen Tonlagen. Rhythmic Complexity durch Polymetrik und Synkopen erfordert intensive Koordination innerhalb des Ensembles. Solistische Passagen und Dialoge mit dem Orchester verlangen zudem technische Sicherheit und musikalische Ausdrucksfähigkeit. Die Bewältigung dieser Herausforderungen fördert sowohl die technische Fertigkeit als auch das künstlerische Ausdrucksvermögen der Musiker. (Höchststufe, 8′)

Alexandre Carlin beschreibt in „Equinox: Shadow and Dawn“ den Moment des Gleichgewichts zwischen Tag und Nacht. Ein monumentaler Stein steht zwischen einer dunkelblauen Schattenwelt und der goldenen Morgendämmerung; ein Sonnenstrahl symbolisiert den Übergang. Die etwa 6 1/4 Minuten dauernde Komposition folgt einer A-B-A-Form. Das Werk hat eine klare musikalische Struktur mit einer symbolischen Darstellung von Dunkelheit, Licht, Übergang und Ausgleich. (Mittelstufe)

In „Roma Aeterna“ beschreibt der Komponist eine musikalische Reise durch Rom, die verschiedene historische und kulturelle Orte miteinander verbindet. Der Rundgang beginnt mit dem ruhigen „Sunrise in Roma“ im 4/4-Takt und führt anschließend über die Via Appia und das Forum Romanum. Mit „Plazzas and Fountains“ wird die Musik im schnellen, spielerischen 6/8-Takt lebendig. „The Vatican“ bildet danach mit ruhigem Tempo und religiösem Charakter einen besinnlichen Kontrast. Im „Colosseum“ steigert sich die Spannung durch schnelles Tempo und den unregelmäßigen 7/8-Takt, der einen Gladiatorenkampf darstellt. Im abschließenden „Roma Aeterna“ kehren frühere Motive wieder. Dadurch werden die einzelnen Stationen miteinander verbunden und die zeitlose Bedeutung Roms musikalisch hervorgehoben. (Oberstufe, 9′)

Guillaume Detrez: La Montagne de Watten – In Houtland liegt Watten am Rande von Flandern. Mit seinen 72 Metern Höhe ist der Wattenberg das westlichste Glied des Mittelgebirges in Flandern. Ein grandioses Thema, das sich auf den Berg und dessen Besteigung bezieht. Oben angekommen haben wir eine spektakuläre Aussicht über Flandern. Dann kommt die Mühle in Gang, begleitet von einem mittelalterlichen Thema, das die Abtei symbolisiert. Im Finale erklingen mehrere sich überschneidende Themen. (Oberstufe, 6′)

Mit Nordic Lights bieten Sie Ihrem Publikum ein spektakuläres und mitreißendes musikalisches Erlebnis. Inspiriert von der faszinierenden Schönheit des Nordlichts entführt dieses Werk die Zuhörenden auf eine zugängliche und fesselnde klangliche Reise. Bereits ab den ersten Takten wird das Publikum in eine geheimnisvolle, kühle Atmosphäre hineingezogen, die bald von ausdrucksstarken Themen und markanten Kontrasten getragen wird. Reiche Orchesterfarben, kontrollierte Energie und ein glanzvolles Finale: Nordic Lights bringt die gesamten Qualitäten des Orchesters zur Geltung und zieht das Publikum sofort in seinen Bann. Als ideales Highlight eines Konzertprogramms vereint dieses Werk Modernität, Emotion und Wirkungskraft und garantiert eine begeisterte Aufnahme bei Musizierenden und Zuhörenden. (Oberstufe, 7’30)

Guillaume Detrez’ „Pharaoh’s Legacy“ für Oberstufenblasorchester beschreibt musikalisch das geheimnisvolle Erbe der Pharaonen. Feierliche Prozessionsklänge, rituelle Abschnitte, orientalische Klangfarben und wechselnde Taktarten erzeugen eine kontrastreiche Atmosphäre. Modulationen und rhythmische Veränderungen führen durch musikalische Bilder von Zeremonien, Düften und Wüstenlandschaften. Das Werk steigert sich zu einem dynamischen Höhepunkt und schließt im Finale den formalen Bogen zum Beginn. (7:30)

Nach Frankreich stach der Kapitän Richtung

England

Dean Jones stellte vier Kompositionen zur Verfügung: #RustyOXI (Mittelstufe, 4’40), The Ancient Ruins (The Wonders of the World) und Sound Style Studio! (beide Unterstufe, 6’30 und 7’15), sowie The Black and Gold, komponiert für die „1st Whitstable Scout Group Band“. Die Band wurde 1919 in Kent gegründet und verkörpert die musikalische Tradition der Pfadfinderbewegung. Ursprünglich als Begleitung für Pfadfinderaktivitäten konzipiert, entwickelte sie sich zu einem renommierten Brass Band, das auch der lokalen Gemeinschaft offensteht. Ein zentrales Werk, das diese Tradition widerspiegelt und der Band gewidmet ist, ist Dean Jones’ Komposition „The Black and Gold (Spirit of 1907)“. Das Stück verbindet marschartige Rhythmen mit modernen Elementen und erinnert durch Modulationen und ein Solo für Glockenspiel und Trompete an die Werte der Pfadfinder.

Nun nahm der 2Fligende Holländer“ wieder Kurs zum Festland und landete nun in

Portugal

Dort wurden zwei Komponisten gefunden: erstens Vitor Resende mit seiner Komposition „O Xerife“, ein etwa 5 3/4 Minuten langer Paso Doble für Höchststufenblasorchester. Das 2022 der „Banda Marcial do Vale“ für die Teilnahme am Wettbewerb „Vila d’Altea“ gewidmete Werk beginnt feierlich und kraftvoll mit einem markanten Hauptthema, das die Autorität und Präsenz eines Sheriffs ausdrückt. Das Blech prägt dabei den heroischen Klangcharakter. Im anschließenden Agitato Teil entwickelt sich eine dynamische, erzählerische Szene mit bewegten Rhythmen, klanglichen Kontrasten und zunehmender Spannung. Präzision, Artikulation, dynamische Kontrolle und ein ausgewogenes Zusammenspiel aller Register sind für eine überzeugende Interpretation entscheidend.

Os Moinhos da Pinhoa (Die Windmühlen von Pinhoa), Pinhôa ist für seine historischen Windmühlen bekannt, die an die frühere Nutzung der Windkraft zum Getreidemahlen erinnern. Heute stehen sie symbolisch für Zeit, Wandel sowie die Verbindung von Mensch und Natur. In Vitor Resendes Komposition Os Moinhos da Pinhoa werden Landschaft und Geschichte musikalisch dargestellt: Das Moderato vermittelt Ruhe, das Allegro Bewegung und Windkraft, die Modulation Veränderung und das Lento Erinnerung.

The Walls of Monção ist ein programmatisches und ausdrucksstarkes Werk, inspiriert von den Legenden und den Menschen von Monção, Portugal, deren Geschichten durch die Zeit widerhallen. Die musikalische Gestaltung entfaltet sich erzählerisch und wechselt zwischen Momenten großer Intensität und martialischem Charakter sowie lyrischen und kontemplativen Abschnitten. Im Verlauf des Werkes erforschen Harmonik und Klangtexturen Kontraste in Dynamik, instrumentaler Farbgebung und thematischer Entwicklung und erzeugen so eine epische, filmische Atmosphäre. Die Komposition folgt einer progressiven Struktur, die in einem grandiosen Finale kulminiert und die symbolische sowie historische Stärke des zugrunde liegenden Themas hervorhebt.

Dann ging es weiter nach

Spanien

Dort fanden sie eine Komposition, die zwar nicht Spanien, dafür aber Sizilien betrifft. Und die Insel lag sowieso auf dem geplanten Weg. Juan A. Perez widmete sich der Stadt Syrakus, die für ihre griechische Geschichte, das Theater und ihre Verbindung zu Archimedes bekannt ist. Diese historische und kulturelle Vielfalt bildet die Grundlage für Juan A. Perez’ Komposition „Siracusa“. Das etwa 6 3/4 Minuten lange Werk für Mittelstufenblasorchester stellt die Stadt nicht chronologisch, sondern durch musikalische Stimmungen dar. Ruhige Abschnitte symbolisieren Erinnerung und Kultur, während schnellere Teile Bewegung, Konflikte und Lebendigkeit ausdrücken. Insgesamt entsteht ein musikalisches Stadtporträt, das die Geschichte und Atmosphäre von Syrakus klanglich vermittelt.

Weiter ging es nach

Malta

Dort fanden Sie die Familie Camilleri. Wie weit die verschiedenen Personen verwandt sin, konnten wir nicht feststellen. Jedenfalls Rene Camillerie stellt zwei Werke zur Verfügung: 1. EPOS (Clash of the Gods) für Oberstufenblasorchester (6’50) und 2. To the Point für Mittelstufenblasorchester (3′). Anthony Camillary schuf die Komposition Iubilaeum MMXXV, ein Konzertmarsch für Oberstufenblasorchester, der zum Heiligen Jahr der Hoffnung 2025 entstand. Das Werk verbindet traditionelle Marschelemente mit symphonischer Entwicklung und wechselt zwischen festlicher Feier und kontemplativer Reflexion. Harmonische Veränderungen, wechselnde Klangdichten und die Weiterentwicklung der Themen spiegeln die Spannung zwischen Hoffnung und Unsicherheit wider. Die abschließende Reprise integriert das musikalische Material und erweitert dadurch die traditionelle Form des Konzertmarsches.

Jetzt nahm das Schiff durch den Suezkanal Kurs nach:

Japan

Dort traf man den Komponisten Tohru Kanayama mit zwei neuen Werken: Brazilian Romance (Mittelstufenblasorchester, 5’20) und „Soaring High Above“, was sinngemäß „hoch aufsteigen“ oder „über sich hinauswachsen“ bedeutet. In Tohru Kanayamas gleichnamiger Komposition wird dieses Bild durch die energiegeladene und bewegte Musik umgesetzt. Jede Instrumentengruppe erhält eigene Solomomente und kann ihre klanglichen Möglichkeiten zeigen. Auch das Schlagwerk, insbesondere die Mallet Instrumente, übernimmt eine hervorgehobene Rolle. Der durchgehende Swing und Groove sorgen für einen lebendigen, funkigen und antreibenden Charakter. Der Titel steht damit sowohl für das Hervortreten einzelner Sektionen als auch für die gemeinsame musikalische Entwicklung des gesamten Ensembles.

Dann ging es zurück in die Heimat und die Notensammlung wurde mit heimatlichen Komponisten ergänzt.

Niederlande

Geert Schrijvers stellte zwei Komposition und zwei Bearbeitungen zu Verfügung: Concerto for a Rainy Day (vom Electric Light Orchestra) und O Mio Babbino Caro von Giacomo Puccini, sowie Morias Enkomion für Piano-Solo und Höchststufenblasorchester (12′) und Pressure and the Ticking Clock für Oberstufenblasorchester und beschreibt musikalisch die Entwicklung von Druck und Zeitnot. Im „Nervous Build“ entsteht eine zunehmende Unruhe. Ab Takt 18 steigert sich diese durch „Stressfully Fast“ zu Dringlichkeit und Überforderung. Der ruhigere Abschnitt „Calmly“ im ergibt eine kurze Entlastung. Diese bleibt jedoch vorläufig. Ab Takt 87 kehrt die schnelle, stressvolle Bewegung zurück. Die wechselnden Tempi und Taktarten machen den Zeitdruck unmittelbar erlebbar. Der Untertitel „It all starts here“ verweist darauf, dass Stress mit einem ersten Impuls beginnt und sich zunehmend verstärken kann.

Eric Swiggers komponierte „Sparkling Pleasure„, geschrieben anlässlich des 125-jährigen Jubiläums des Musikvereins Ons Genoegen aus Wijdenes. Der Titel spielt auf humorvolle Weise auf den Namen des Vereins und seine lebendige musikalische Tradition an. Die Komposition eröffnet mit einer festlichen Fanfare voller Energie und Lebensfreude, gefolgt von einem zarten Andante, das Raum für Reflexion und Emotionen bietet. Nach einer Reprise des Eröffnungsthemas mündet das Werk in ein Andante con grandezza, in dem die beiden Hauptthemen zusammenklingen – als Symbol für Verbundenheit und Zukunft. Ein zugängliches, festliches Werk und die ideale Konzerteröffnung.

Und da gibt es noch die Komposition „De Verschrikkingen van het ijs en de Duisternis“ von Harrie Janssen für Kunststufenblasorchester. mit einer Dauer von 35 Minuten. Die Komposition behandelt die Österreichisch-Ungarische Nordpolexpedition (1872–1874) unter Carl Weyprecht und Julius von Payer. Diese startete mit dem Ziel, die Nordostpassage zu erkunden. Nach dem Feststecken im Packeis entdeckte die Mannschaft Franz-Josef-Land, widerlegte die Theorie eines eisfreien Nordpolarmeeres und kartografierte erstmals Teile der Arktis. Die Expedition inspirierte später Christoph Ransmayrs Roman „Die Schrecken des Eises und der Finsternis“ (1984), der menschliche Hybris und Naturgewalten thematisiert, sowie Harrie Janssens Komposition für Blasorchester, die die dramatischen Ereignisse musikalisch umsetzt. Beide Werke zeigen, wie historische Ereignisse durch Literatur und Musik neu interpretiert werden. Das Orchestermateriol ist dazu nur leihweise von Verlag erhältlich.

Diese Komposition hat also eine Verbindung zu

Österreich

vielleicht ist das die Erklärung, warum sich in der Sammlung des „Fliegenden Holländer“ eine Komposition aus Österreich verirrte. Michael Geisler ist mit mit zwei Werken für Mittelstufenblasorchester vertreten: The Last Mammoth und On the Peak, es beschreibt musikalisch den Weg zum Gipfel und gliedert sich in eine triumphale Einleitung, zwei rhythmische „Pop style“-Abschnitte, einen geheimnisvollen „Misterioso“-Teil und einen schnellen „Allegro“-Schluss. Die Komposition lebt von Kontrasten, steigender Energie und präzisem Zusammenspiel.

Durch einen „Trick 17“ können auch Nichtmitglieder auf alle Hintergrundinformationen der hier genannt Kompositionen zugreifen (ausgenommen Radiotracks). Wir wüschen viel Vergügen.

Alle Entdeckungen des Fliegenden Holländers finden Sie in Molenaar New Publications 2026-2027

Helmut Schwaiger

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