Das Paul Huber-Jahr 2026 rückt einen Komponisten in den Mittelpunkt, der die Schweizer Blasmusik nachhaltig geprägt hat. Aus diesem Anlass schrieb die Musikkommission des Schweizer Blasmusikverbands einen internationalen Kompositionswettbewerb aus. Gesucht wurde ein neues Werk für Blasorchester, das ein Thema aus einer Komposition Paul Hubers im Sinne einer musikalischen Metamorphose weiterentwickelt.[1]
Den Wettbewerb entschied der Waadtländer Komponist Théo Rossier, Jahrgang 2002, mit seiner Komposition «Ab Uno» für sich. Die Uraufführung fand am Sonntag, den 13. September 2026, im Rahmen des Galakonzerts der Conducting Competition des SWISS WINDBAND AWARD im Kurtheater Baden vorgesehen. Das Werk wird durch das Symphonische Blasorchester Schweizer Armeespiel in Anwesenheit des Komponisten aufgeführt.[2]
Paul Huber und seine Bedeutung für die Schweizer Blasmusik
Paul Huber lebte von 1918 bis 2001 und gilt als einer der prägenden Schweizer Komponisten des 20. Jahrhunderts. Sein Schaffen besitzt für die Schweizer Blasmusikszene bis heute eine besondere Bedeutung. Das Paul Huber-Jahr erinnert insbesondere daran, dass sich sein Todestag 2026 zum 25. Mal jährt.[3]
Die Würdigung beschränkt sich nicht auf die Aufführung historischer Werke. Vielmehr soll Hubers musikalisches Denken aus heutiger Perspektive weitergeführt werden. Der Kompositionswettbewerb verbindet daher Erinnerung und Gegenwart: Zeitgenössische Komponistinnen und Komponisten waren aufgefordert, sich mit Hubers Musik auseinanderzusetzen und daraus eine eigenständige Komposition zu entwickeln.
Die Ausschreibung ließ den Teilnehmenden dabei einen gewissen Gestaltungsspielraum. Das Werk sollte für ein Blasorchester der Höchstklasse oder der ersten Kategorie geeignet sein. Auch die Dauer und die konkrete klassische Form konnten frei gewählt werden. Nicht vorgesehen waren hingegen Werke mit einer erzählenden Handlung.[1]
Elf Einreichungen aus ganz Europa
Elf Komponistinnen und Komponisten aus ganz Europa beteiligten sich am Wettbewerb. Die eingereichten Werke wurden anonym beurteilt. Für die Bewertung war eine Fachjury mit Emilie Chabrol, Stéphane Delley und Felix Hauswirth verantwortlich. Die Jurymitglieder prüften die Kompositionen zunächst unabhängig voneinander anhand des vorgegebenen Anforderungsprofils.[2]
In der gemeinsamen Sitzung überzeugte «Ab Uno» die Jury am stärksten. Die Entscheidung fiel, bevor bekannt war, wer das Werk komponiert hatte. Damit wurde Rossiers Komposition nicht aufgrund des Namens oder der bisherigen Laufbahn des Komponisten ausgewählt, sondern aufgrund ihrer musikalischen Qualität und der überzeugenden Umsetzung der Wettbewerbsaufgabe.[4]
Théo Rossier: Komponist und Dirigent
Théo Rossier wurde am 11. Juni 2002 im Kanton Waadt geboren. Bereits im Alter von 14 Jahren begann er zu komponieren und arbeitete zunächst autodidaktisch. Später besuchte er am Konservatorium Lausanne im Rahmen des Studiengangs Blasorchesterleitung Kurse in Harmonielehre. Zudem absolvierte er ein Bachelorstudium an der Hochschule der Künste Bern.[5]
Rossier hat bereits zuvor Erfahrungen mit Kompositionen für Brass Band und Blasorchester gesammelt. Beim europäischen Kompositionswettbewerb für Brass Bands gewann er 2022 mit «Stendhal’s Syndrome» den ersten Preis.[5] Seine Tätigkeit verbindet damit kompositorische Arbeit mit praktischer Erfahrung in der Blasorchestermusik und im Dirigieren.
Die musikalische Idee von «Ab Uno»
Der Titel «Ab Uno» lässt sich sinngemäß mit „von einem“ oder „aus einem“ übersetzen. Die Bezeichnung verweist damit auf den kompositorischen Ausgangspunkt des Werks: Rossier greift die Anfangstakte von Paul Hubers «Adagio für Violoncello solo» auf.[4]
Dabei übernimmt «Ab Uno» das Vorbild nicht unverändert. Das Thema wird in rhythmischer und melodischer Hinsicht als musikalische Keimzelle verwendet. Im Verlauf der Komposition erscheint es in unterschiedlichen Varianten und wird mit wechselnden klanglichen und musikalischen Zusammenhängen verbunden. Aus einem ursprünglichen Gedanken entsteht so ein eigenständiger, vielschichtiger Verlauf.[4]
Diese Vorgehensweise entspricht dem Grundgedanken der Ausschreibung. Eine Metamorphose bedeutet in diesem Zusammenhang nicht die bloße Bearbeitung oder instrumentatorische Übertragung eines bestehenden Themas. Das musikalische Material wird verändert, weiterentwickelt und in neue Beziehungen gestellt. Die Verbindung zu Paul Huber bleibt erkennbar, während Rossier zugleich eine eigene Tonsprache entwickelt.
Die Jury hob insbesondere die klare und schlüssige Struktur von «Ab Uno» hervor. Anerkennung fanden außerdem die innovative Tonsprache sowie die differenzierte und farbenreiche Instrumentation. Damit nutzt Rossier die klanglichen Möglichkeiten des Blasorchesters nicht nur zur wirkungsvollen Darstellung des Themas, sondern als eigenständiges kompositorisches Gestaltungsmittel.[4]
Erinnerung als schöpferischer Prozess
Das Paul Huber-Jahr 2026 zeigt, wie eine musikalische Würdigung über eine reine Rückschau hinausgehen kann. Paul Hubers Werk bildet den historischen Bezugspunkt, doch der Wettbewerb richtet den Blick zugleich auf die Zukunft der Blasorchesterliteratur.
Mit «Ab Uno» steht dafür eine Komposition, die aus einem konkreten Werk Hubers hervorgeht und dennoch nicht bei einem Zitat stehen bleibt. Théo Rossier führt das Ausgangsmaterial in eine neue klangliche und strukturelle Umgebung. Die Uraufführung im September 2026 wird damit nicht nur eine Hommage an Paul Huber, sondern auch ein Beispiel dafür, wie zeitgenössische Komposition Tradition produktiv weiterdenken kann.
Quellen
[1] Schweizer Blasmusikverband — „Ausschreibung Kompositionswettbewerb Paul Huber-Jahr 2026“ — 2025 —
[2] Schweizer Blasmusikverband / Unisono — „Paul Huber-Jahr 2026: Théo Rossier gewinnt den Kompositionswettbewerb“ — 2026 —
[3] Schweizer Blasmusikverband — „Das war das EMF 2026“ — 2026
[4] BRASS BAND NEWS — „Paul Huber-Jahr: Théo Rossier gewinnt den Kompositionswettbewerb“ — 2026 —
[5] BRASS BAND NEWS — „Paul Huber-Jahr: Théo Rossier gewinnt den Kompositionswettbewerb“ — Abschnitt „Über den Komponisten“ — 2026
[6] Théo Rossier — „Ab Uno“ und Veranstaltungshinweise zur Uraufführung — 2026
(Dieser Artikel ist KI-generiert)

